Niederau

In den Herbstwochen eilen während der großen und kleinen Pausen Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge in die Schülerbibliothek im Untergeschoss des Lessing-Gymnasiums, um sich dort für die Skifreizeit in Niederau anzumelden. Schon nach den Sommerferien beginnen die ersten ungeduldigen Anfragen.
Niederau ist eines der Dörfer der Wildschönau, eines Hochtals in den Kitzbühler Alpen. Dort veranstaltete das Lessing-Gymnasium 1967 mit 101 Schülerinnen und Schülern vom 3. bis 12. Januar seine erste Skifreizeit. Seitdem ist es zur Tradition geworden, in dieser Zeit nach Niederau zu fahren, so dass 1996 das 30jährige Jubiläum gefeiert werden kann. Im Durchschnitt fahren jedes Jahr etwa 170 Schülerinnen und Schüler mit. Der Rekord war 1983 mit 241 Teilnehmern. Die Unterbringung in Niederau erfolgt für die Unterstufe und Teile der Mittelstufe in zwei größeren Jugendheimen, die übrigen Schülerinnen und Schüler sind auf Privatquartiere verteilt, nehmen die Mahlzeiten aber auch in den Jugendhäusern ein.
Der Skiunterricht findet täglich vor- und nachmittags statt. Dabei sind die Schüler entsprechend ihrem skiläuferischen Können auf die einzelnen Gruppen verteilt. Besonders beliebt ist es, wenn die Skikurse ganztägig auf dem Schatzberg (ca. 2000 m), am Ende des Hochtals gelegen, stattfinden. Der Schatzberg ist auch eine günstige Ausweichmöglichkeit, wenn einmal die Schneeverhältnisse in Niederau nicht so günstig sind.
Der Skiunterricht wurde in den ersten Jahren von entsprechend qualifizierten Skilehrern erteilt, die mit dem Lessing-Gymnasium in einer engeren Verbindung standen, außerdem von einigen Skilehrern der örtlichen Skischule. Mit der Verschärfung des Tiroler Skischulgesetzes war der Unterricht mit eigenen Lehrkräften nicht mehr erlaubt. Es gelang aber noch 1976, bei der Tiroler Landesregierung für das Lessing-Gymnasium eine Ausnahmegenehmigung zur Durchführung von Skiunterricht mit eigenen Lehrkräften zu erhalten.
Danach wurde "toleriert", dass auch weiterhin eigene Lehrkräfte den Skiunterricht erteilten. Für diejenigen aber, die neu als Skilehrer hinzukamen, wurde zur Bedingung gemacht, dass sie an einem speziell für sie eingerichteten Lehrgang zum Übungsleiter in Niederau teilnahmen. Danach erhielten sie eine Bescheinigung, die sie berechtigte, für die Dauer der Skifreizeit Unterricht zu erteilen. Diese 5-tägigen Lehrgänge erfreuten sich bei ehemaligen Schülerinnen und Schülern so großer Beliebtheit, dass auch nach Aufhebung der gesetzlichen Einschränkungen fast jährlich einige von ihnen daran teilnahmen, um den "Schein" zu erwerben.
Ein besonderes Thema ist in jedem Jahr die Reise. Bis 1991 war es möglich, dass drei oder vier Sonderwagen an einen Regelzug gehängt wurden, mit dem die Schüler bis Wörgl fuhren. Von dort übernahmen Busse den Transfer nach Niederau. Seit dem Einsatz von IC-Zügen konnten zusätzliche Wagen aber nicht mehr angehängt werden. Nachdem es für die Bundesbahn immer schwieriger geworden war, eine so starke Reisegruppe in den vorhandenen Wagen unterzubringen, bot sich seit 1995 die günstige Gelegenheit, einen vierteiligen historischen Elektrotriebwagen mit zusätzlichem Güterwagen, den "Lessing-Express", für die Schule zu chartern. Dieser fährt bis Kufstein. Von dort findet der Transfer mit Bussen statt.
Die Skifreizeit des Lessing-Gymnasiums hat allerdings eine noch viel längere Tradition. Sie begann 1958 und fand in verschiedenen Orten in Tirol und in der Schweiz statt. Heimisch wurde sie allerdings erst in Niederau, ein Name, der für alle, die einmal dabei waren, einen besonderen Klang hat. Groß ist immer die Vorfreude auf diese Tage, die nicht nur die Aussicht auf intensives Skilaufen bieten, sondern auch auf mannigfache menschliche Kontakte, auch unabhängig vom eigenen Jahrgang, die oft nach der Rückkehr noch Bestand haben. So dient die Niederau-Skifreizeit schließlich auch zu einer Festigung der Gemeinschaft im schulischen Alltag.

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